Historie

Aus der Vereinschronik

Was ist ein Dorf ohne Musikkapelle? Diese Frage veranlasste den Friseurmeister Alois Roth, die Amendinger Bürger am 1. Oktober 1954 zu einer Gründungsversammlung in den Gasthof Adler einzuladen. Trotz geringer Beteiligung kam es zur Gründung des Musikvereins Amendingen. Zum 1. Vorstand des neuen Vereins wurde der damalige 2. Bürgermeister Henning von Rom gewählt.

In der Folgezeit erklärten sich 19 junge Männer bereit, eine instrumentale Ausbildung zu beginnen.
Als musikalischer Leiter wurde Herr Adolf Melzer aus Memmingen verpflichtet.
Bereits an Weihnachten 1954 trat die Kapelle mit dem Marsch: “Die Sonntagsjäger” an die Öffentlichkeit.
Unter den Dirigenten Otto Salzmann (1955-1962) und Josef Pfundner (1962-1964) entwickelte sich die Leistungsfähigkeit der Kapelle immer weiter. Die erste Teilnahme an einem Wertungsspiel beim Bezirksmusikfest in Sontheim 1957 erbrachte in der Unterstufe die beachtliche Wertung: gut mit Lob.

1963 ging der langgehegte Wunsch nach einer einheitlichen Tracht in Erfüllung.

Der Musikverein mit neuer Tracht unter der Leitung von Josef Pfundner

1964 übernahm Florian Kustermann aus Trunkelsberg den Dirigentenstab. Er stand vor der schwierigen Aufgabe, die Kapelle neu zu formen, da mittlerweile einige Aktive aus beruflichen Gründen den Verein verlassen hatten. Unermüdlich arbeitete Kustermann an dieser Aufgabe und es gelang ihm, den Musikverein aus der Unterstufe in die Mittelstufe zu führen. Um die Kameradschaft und die Geselligkeit zu fördern, unternahm man zahlreiche Ausflüge (z.B. nach Feldkirchen, Iggelheim und Gönnheim in der Pfalz). Bunte Abende mit Theateraufführungen und Tombolas sollten helfen den Verein finanziell besser auszustatten.

1969 richtete der Musikverein Amendingen das 16. Bezirksmusikfest aus. Dabei wurde die neue Fahne des Vereins geweiht. Zehntausend Besucher säumten die Straßen beim großen historischen Festzug.

Mit dem Aufbau eines Trommler- und Fanfarenzuges unternahm man 1972 den Versuch, die Nachwuchsarbeit für den Verein zu intensivieren. Unter der Leitung von Erwin Class, später Wolfgang Kral und Erich Rehklau, zeigten sich anfangs auch gute Ergebnisse. 1979 jedoch wurde diese Abteilung wegen Nachwuchsmangel wieder aufgelöst. Im gleichen Jahr verlor Amendingen seine kommunale Eigenständigkeit und wurde in die Stadt Memmingen eingemeindet. Im Zuge dieser Eingemeindung erhielt die Kapelle eine neue Tracht. Gleichzeitig organisierte der Musikverein das 1. Amendiger Weinfest, das von nun an zum festen Bestandteil des gemeindlichen Lebens gehört.

Im Folgejahr entstand eine weitere Abteilung im Musikverein: die Theaterabteilung. Sie feiert unter ihrer Theaterleitung bis heute großen erfolg.

1977 begannen die Kontakte des Musikvereins nach Frankreich. Besuche in Saugues (1977, 1981) und St. Etienne de Odenas (1978) waren die Vorläufer zur späteren Freundschaft mit der Musikkapelle von Paulhaguet im Departement Haut Auvergne. Ein besonderes Zeichen der tiefen Verbundenheit sind die Freundschaftstafeln an den Ortseingängen Amendingens, die 1982 aufgestellt wurden.

Im Jahre 1979 erklärt sich der Verein nochmals bereit, ein Bezirksmusikfest zu organisieren.

Im Jahr 1982 feierte die “Fanfare de Paulhaguet” ihr 100jähriges Bestehen. Sie luden dazu den Musikverein Amendingen als Festkapelle ein. Damit begann eine nun über zwanzigjährige Freundschaft zwischen den Vereinen und unter den Musikern. In regelmäßigen Abständen finden gegenseitige Besuche statt, die stets ein herausragendes Erlebnis für alle Musikanten sind.

Ein markanter Punkt in der Vereinsgeschichte war der Neubau des Musikheims im Jahre 1985.
Bereits Anfang der 80er Jahre hatte Vorstand Gustav Stegmaier vergeblich versucht, die Stadt Memmingen für ein solches Vorhaben zu aktivieren. Ein erneuter Vorstoß des neuen Vorstandes Xaver Rampp überzeugte schließlich die Stadtführung, sich an einem Neubau, der auch dem Kindergarten zugute kommen sollte, zu beteiligen.
Im März 1985 wurde das alte Musikheim abgebrochen. In vielen freiwilligen Stunden arbeiteten die Musiker Tag und Nacht am Bau und so konnte bereits am 29. September 1985 das neue Musikheim eingeweiht werden.

Auch das Jahr 1987 brachte große Veränderungen mit sich. Die alte Tracht hatte ausgedient und Dank der Spendenfreudigkeit der Amendinger Bürger konnte sich die Kapelle beim Frühjahrskonzert erstmals in einer bodenständigen Tracht mit Lederhose und Dirndl vorstellen.

Von großer Bedeutung aber wurde vor allem der Wechsel im Dirigentenamt. Nach über 23jähriger erfolgreicher Tätigkeit entschloss sich Florian Kustermann, den Dirigentenstab an einen jüngeren abzutreten. Es war dies der Kirchenmusiker Reinhard Schmölzing. Unter seiner Leitung erreichte die Kapelle 1989 erstmals bei einem Wertungsspiel die Note: 1. Rang mit Auszeichnung. Im gleichen Jahr umrahmten man musikalisch den Auftakt zur Bundesligasaison 1989/90 im Olympiastadion München.

Nach dem Fall der Berliner Mauer bot sich im Mai 1990 die Chance, die Lebensverhältnisse in der damaligen DDR kennenzulernen. Auf Vermittlung des 2 Bürgermeisters der Stadt Memmingen, Jupp Cornelius, reiste der Musikverein nach Eisleben, der Geburtsstadt Luthers. Hier erlebten die Musikanten große Herzlichkeit und viel Begeisterung für ihre Musik.

Im Herbst 1990 unternahm die Kapelle eine Reise nach Togo in Afrika. Die Fahrt war durch einen Kontakt zwischen der Volkshochschule Stadtbergen und Vorstand Xaver Rampp zustande gekommen. Aus dem westafrikanischen Staat brachten die Musiker vielfache Eindrücke mit nach Hause.

Zu Beginn der 90er Jahre kam es sowohl in der musikalischen Leitung wie auch in der Vereinsführung zu einem Wechsel. Josef Erdt aus Maria Steinbach übernahm im Herbst 1990 das Dirigentenamt, Christof Kastl im Frühjahr 1991 das Amt des 1. Vorstandes. Beim Bezirksmusikfest in Oberopfingen 1991 erreichte die Kapelle wieder die Wertung: 1. Rang mit Auszeichnung. Unvergessliche Tage erlebten die Musikanten 1993 beim 1. Blasmusikfest des Mansfelder Landes. Die Begeisterung der Zuschauer kannte keine Grenzen.

Als Josef Erdt 1994 aus gesundheitlichen Gründen sein Amt niederlegen musste, erklärte sich Josef Böckh bereit, die musikalische Federführung zu übernehmen. Unter seiner Leitung veranstaltete der Verein zum erstenmal in seiner Geschichte ein Kirchenkonzert. In der Folgezeit arbeitet Josef Böckh beständig daran, das Leistungsniveau der Kapelle weiter zu heben, um die Kapelle an die Oberstufe heranzuführen.

Auf seine Initiative hin entstand 1995 ein Jugendspielkreis, der von Peter Czasch und Lorenz Knoth-Nitsch betreut wurde. Um den musikalischen Ansprüchen besser gerecht zu werden bemühte sich Josef Böckh auch, das Frühjahrskonzert in einem anderen Rahmen stattfinden zu lassen. So wechselte man vom Amendinger Pfarrheim in die Turnhalle der Verbandsschule.

Im Herbst 1997 reisten die Amendinger Musiker ein zweites Mal nach Togo. Hier konnten sie, unter Leitung von Peter Czasch, auf der Konferenz der Afrikanischen Staaten und vor Staatschef Eyadema aufspielen. Im Anschluss an diese Fahrt initierten Xaver Rampp, Christof Kastl und Peter Czasch eine Spendenaktion zugunsten eines Schulneubaus im togoischen Dorf Sekko. Bis heute sind ca. 17 000 Euro Spendengelder in dieses Projekt geflossen.

Ende 1998 übernahm erstmals eine Frau, Susanne Lion, die musikalische Leitung der Kapelle. Sie gab ihr Debüt bei der “Grünen Woche” in Berlin, wozu Staatsminister Josef Miller eingeladen hatte.

Kontakte der FFW Amendingen brachten der Kapelle im September 1999 eine Einladung zur 600 Jahrfeier der sächsischen Stadt Flöha ein. Die gute Verbindung nach Flöha besteht bis heute weiter und wird durch jährliche Ausflüge aufrecht erhalten.

Susanne Lion setzte die von Josef Böckh begonnene Aufbauarbeit kontinuierlich fort und so erreichten die Kapelle beim Bezirksmusikfest 2000 in Egg erneut ein ausgezeichnetes Ergebnis.
In Zusammenarbeit mit den Musikvereinen Buxheim und Steinheim gründete man im gleichen Jahr die Jugendspielgemeinschaft ABS, deren Leitung zunächst Michael Rahn und später Wolfgang Küchle übernahmen.

Um die Nachwuchsarbeit weiter zu fördern, beschloss die Vorstandschaft im Jahr 2002, einen Förderverein der musizierenden Jugend Amendingen zu gründen. Als Vorstand dieses Fördervereins wurde Manfred Künle gewählt. Dem Verein gelang es in Zusammenarbeit mit dem Kindergarten Amendingen, erstmals eine “musikalische Frühförderung” in Amendingen anzubieten.

Ende 2003 wurde der bisher bestehende Spielkreis aufgelöst und das Vororchester ABSM aus der Taufe gehoben.

Im Mai 2004 begrüßten wir wieder unsere Freunde aus Paulhaguet bei uns in Amendingen. Im selben Jahr feierte der Musikverein Amendingen vom 11.-.19. September sein 50jähriges Bestehen. Auf den Festakt im Pfarrheim, bei dem auch ASM-Präsident Pschierer anwesend war, folgte ein dreitägiges Fest im Zelt auf dem LGS-Gelände. Die Krönung des Jubiläums war ein Sternmarsch mit 27 Musikkapellen und der anschließende Gesamtchor.

Nur fünf Monate später erwiesen wir Alois Roth, dem Gründer unseres Vereins, die letzte Ehre.

Herausragendes Ereignis des Jahres 2005 war im Mai die Aufführung des Musicals „Freude“ des Laubener Komponisten Kurt Gäble, dass der Musikverein in Zusammenarbeit mit der Volksschule Amendingen zum Abschied des scheidenden Rektors Bruscha aufführte.

2006 übernahm unsere Jugendleiterin Sylvia Grenz die Leitung über das Vororchester ABSM.

Beim Bezirksmusikfest 2007 in Sontheim trat die Kapelle wieder einmal zu einem Wertungsspiel an und erreichte in der Mittelstufe erreichte die Bewertung „mit sehr gutem Erfolg“. Im August 07 feierten wir wieder eine richtige Musikerhochzeit, denn die Eigengewächse Alexandra und Stefan Raiber gaben sich das Ja-Wort.

Im Mai 2008 brachen die Amendinger Musiker wieder in Richtung Frankreich auf und erlebten in der Auvergne großartige Tage mit der Partnerkapelle Paulhaguet.

Da die Jugendkapelle ABS nach dem Rücktritt von Wolfgang Küchle trotz intensiver Suche keinen geeigneten Dirigenten fand, erklärte sich unsere Dirigentin Susanne Böckeler bereit, dieses Aufgabe zusätzlich zu übernehmen.

Die Generalversammlung des Jahres 2009 brachte große Veränderungen in der Vorstandschaft. Weil der bisherige Vorstand Manfred Künle nach 6 Jahren nicht mehr zur Verfügung stand, übernahm Manfred Gudd das Amt des 1. Vorsitzenden, Christina Scheufele wurde zu seiner Stellvertreterin gewählt.

Ein besonderes Ereignis in diesem Jahr war eine Serenade im Schlosspark zu Grünenfurt, die durch eine Einladung der Familie zu Rom ermöglicht wurde.

 

Der Musikverein umfasst heute 52 aktive Mitglieder und wird von über 200 passiven Mtglieder finanzielll und ideel unterstützt.

Die große Zahl an Jugendlichen, die zur Zeit in ausbildung sind und die beim Vororchester und der Jugendkapelle ABS musizieren, lassen auf eine gute und gesicherte Zukunft des Musikvereins Amendingen hoffen.

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